St. Marienkirche Bernau, Foto: S. Steinheisser
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Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir, mein Seufzen war dir nicht verborgen.
  Psalm 38,10 (Einheitsübersetzung)

Dieser Satz klingt beim ersten Hören recht alltäglich. Wir alle sehnen uns ständig nach irgendetwas oder irgendjemanden. Und immer wieder gibt es einen Grund zum Seufzen.

Doch hier geht es um sehr viel mehr. Dieser Vers aus dem Psalm 38 steht mitten in einer gewaltigen Klage. Beim Lesen fühlte ich mich an Hiob erinnert und zugleich an viele Menschen in unserer Gemeinde, die gerade sehr Schweres zu tragen und zu bewältigen haben. Hier leidet ein Mensch an Krankheit und Einsamkeit, unter Unverständnis, ja sogar unter der Feindschaft seiner Mitmenschen, er leidet unter Lieblosigkeit und Hass, unter Lebens- und Todesangst, letztlich leidet er auch an sich selbst. Die ganze Fülle menschlichen Leids scheint er zu tragen. Und all sein Leid wirft er Gott vor die Füße. Gott müsste das doch alles wissen – und er scheint das nicht zu ändern. Da muss man schon mal laut klagen, ja schreien. „Es ist nichts Gesundes mehr an meinem Leib″, heißt es da, „ich gehe krumm und gebückt; ich bin wie taub; das Licht meiner Augen ist dahin; ich schreie vor Unruhe meines Herzens.″

Hier ereignet sich ein Kampf an mehreren Fronten. Der Leidende kämpft gegen sich und seine gefühlte Schuld; er kämpft gegen Gott, von dem er sich unbeachtet, ja vielleicht sogar gestraft fühlt und er kämpft gegen seine Feinde, die ihm nachstellen und dabei auch noch guter Dinge zu sein scheinen. Und zwischen allen diesen Worten verbirgt sich die nicht gestellte Frage des Betenden: Warum das alles, Gott? Warum geht es nicht anders? Du weißt doch, wonach ich mich sehne, du weißt doch, wie sehr ich leide. Warum hilfst du mir nicht?

Der Theologe Michael Becker schreibt dazu: „Die Antwort ist: Weil Gott eben Gott ist,… weil es Gottes Größe entspricht und ich diese Größe nicht habe. Ich verstehe Gott nicht – wie sollte ich auch bei seiner Größe? Aber ich bediene mich meiner Größe: Ich harre, ich hänge an ihm. Ich lasse dich nicht, Gott, bis ich den Segen erkenne, den du mir schenkst.″

„Aber ich harre, HERR, auf dich″, heißt es am Ende von Psalm 38. Das ist die Wende im Gebet. Nach der Klage kommt die Vergewisserung. Diese Größe haben wir und diese sollten wir nutzen – bis Gott sich uns erklärt, und wir verstehen, einen Sinn entdecken, unser Leid getragen haben und getröstet wurden, bis wir wieder voller Hoffnung und Mut in die Zukunft sehen.

Es grüßt Sie herzlich Ihre Pfarrerin Konstanze Werstat


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