St. Marienkirche Bernau, Foto: S. Steinheisser
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„Das soll Ostern darstellen – Jesus, ein paar Nackte und drei teuflische Fratzen?″

Ich gebe zu, dieses Bild ist befremdlich, vor allem als Osterbild. Es wird volkstümlich „Höllenfahrt Christi″ genannt und ist die Antwort auf die Frage, wo denn die Seele Jesu zwischen der Kreuzigung und Auferstehung gewesen sei. Diese Frage wurde von der jungen Kirche mit Verweis auf die Bibelstelle Epheser 4,9: „Dass er aber aufgefahren ist, was heißt das anderes, als dass er auch hinabgefahren ist in die Tiefe der Erde?″ beantwortet; eine Antwort, die Aufnahme gefunden hat in unser Glaubens­bekenntnis: … hinabgestiegen in das Reich des Todes …″

Dieser Glaubenssatz wurde von frühchristlichen Theologen und danach von vielen Künstlern mit zahlreichen Elementen ausgeschmückt: Jesus steigt zur Hölle hinab, er bricht das Tor zur Unterwelt auf und befreit die Seelen der Erlösten, als Erstes Adam und Eva. Die besiegten Teufel haben das Nachsehen. Dieses Motiv ist bis heute das zentrale Osterbild der orthodoxen Kirchen, im Westen tritt es deutlich seltener auf.

Doch was hat das alles mit mir persönlich, mit Ihnen zu tun?

Dieses Bild ist für mich ein Symbol, dass Ostern etwas bewegt, dass Ostern etwas bewegen kann, das völlig erstarrt, das tot gewesen ist. In diesen Tagen fragte mich ein Gemeindemitglied – und ich spürte, diese Frage war ihm wirklich wichtig: Wie können wir in dieser Zeit Ostern feiern? Angesichts des Elends in der Welt und hier bei uns. Wo doch das Leben erstarrt, wenn einem der Arbeitsplatz gekündigt wird, wenn die Diagnose des Arztes den Patienten wie ein Blitz trifft; wenn eine Beziehung endgültig zerbricht. Wie können wir fröhlich sein angesichts der Kriege, des Terrorismus und der Hungersnöte in der Welt? Wie passt das mit Ostern zusammen? Was kann Ostern denn noch bewegen?

Was bleibt, scheint wenig und ist doch unglaublich viel. Die Botschaft des Ostermorgens: Jesus ist auferstanden. Etwas Unbewegliches hat sich bewegt: der Tod. Gott schlägt das Buch des Lebens Jesu noch einmal auf. Bewegung kommt in die Welt. Jesus lebt – nun ist nichts mehr wie zuvor: die lähmende Angst vor dem Tod – wie weggeblasen. Es bleibt nicht immer alles beim Alten, neues Leben ist möglich, neue Wege mitten im alten Leben tun sich auf. Von dieser Botschaft darf ich mich bewegen und beleben lassen. Auch dann, wenn ich mich nicht österlich fühle. Ostern will uns zu einem anderen Leben bewegen, will uns dazu neue Kraft geben: Gott und einander zu vertrauen, Lieb- und Gedankenlosigkeit zu überwinden, Unrecht beim Namen zu nennen, auch Unbequemes zu wagen und immer wieder das Gespräch zu suchen: mit Gott, mit mir selbst, mit den Menschen. Zu all dem will Ostern uns bewegen, damit sich in der Welt etwas bewegt – hin zum Leben.

Denn Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesendet hat, so sende ich euch.

Ein frohes gesegnetes und bewegendes Osterfest wünscht Ihnen

Ihre Pfarrerin Konstanze Werstat

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